Herz-KreislaufSolide Evidenz

hs-CRP (hochsensitives C-reaktives Protein)

Entzündungsmarker im Blut. Niedrige chronische Entzündung ist ein eigener kardiovaskulärer Risikofaktor neben Lipiden.

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Was hs-CRP ist

C-reaktives Protein, kurz CRP, ist ein Eiweiß, das Ihre Leber ausschüttet, sobald im Körper irgendwo eine Entzündung läuft. Die klassische CRP-Messung erkennt erst grobe Werte ab etwa 10 mg/L, wie sie bei Infektionen vorkommen. Die hochsensitive Variante, das hs-CRP, erkennt auch leise, chronische Entzündung im Bereich zwischen 0,5 und 10 mg/L. Genau dieser Bereich ist für Longevity interessant, weil er das niedrigschwellige Dauer-Brennen anzeigt, das Gefäße über Jahrzehnte schädigt. Manche Forscher nennen hs-CRP deshalb den Baustellen-Zähler des Körpers.

Warum hs-CRP für Longevity zählt

Atherosklerose ist nicht nur eine Lipid-Krankheit, sondern auch eine Entzündungskrankheit. Entzündung in der Gefäßwand treibt sowohl das Wachstum von Plaques als auch deren gefährliches Aufplatzen. Wer mit niedrigem LDL-C dennoch einen Herzinfarkt erleidet, trägt häufig ein residuelles inflammatorisches Risiko, also einen Entzündungsrest, der durch Lipidtherapie allein nicht abgedeckt wird.

Drei Studien haben den Zusammenhang belastbar gemacht. Die JUPITER-Studie (Ridker et al. 2008, New England Journal of Medicine) zeigte: Menschen mit normalem LDL-C aber erhöhtem hs-CRP hatten unter Statintherapie 44 Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse. Die CANTOS-Studie (Ridker et al. 2017, New England Journal of Medicine) ging einen Schritt weiter und wies nach, dass eine rein entzündungshemmende Therapie (Canakinumab) Herzinfarkte reduziert, ohne Lipide zu verändern. Die COLCOT-Studie (Tardif et al. 2019, New England Journal of Medicine) bestätigte den Effekt mit niedrig dosiertem Colchicin nach einem Herzinfarkt. Fazit: hs-CRP markiert nicht nur Risiko, sondern behandelbares Risiko.

Wie hs-CRP gemessen wird

hs-CRP wird im Serum bestimmt, nüchtern müssen Sie nicht sein. Wichtig ist der Kontext: Eine akute Infektion, ein intensiver Trainingsreiz in den letzten 48 Stunden oder ein banaler Infekt der letzten zwei Wochen können den Wert vorübergehend deutlich erhöhen. Für die Longevity-Einordnung sind deshalb mindestens zwei Messungen im Abstand von zwei Wochen sinnvoll, deren Mittelwert Sie nutzen.

Orientierungswerte (kardiovaskuläres Risiko nach American Heart Association und CDC):

  • unter 1,0 mg/L: niedriges Risiko
  • 1,0 bis 3,0 mg/L: moderat erhöhtes Risiko
  • über 3,0 mg/L: hohes Risiko, sofern keine akute Infektion vorliegt
  • über 10 mg/L: akute Entzündung, für Longevity-Zwecke nicht verwertbar

Für Longevity-ambitionierte Personen liegt der Zielbereich deutlich niedriger: unter 0,5 mg/L.

Was hs-CRP senkt

Die wirksamsten Hebel in abnehmender Reihenfolge: Reduktion von viszeralem Bauchfett (der größte einzelne Treiber chronischer Entzündung), regelmäßiges Ausdauertraining, Schlafhygiene (unter sechs Stunden pro Nacht erhöht hs-CRP messbar), weniger stark verarbeitete Lebensmittel und, wenn zutreffend, Rauchstopp. Statine senken hs-CRP zusätzlich zur Lipidwirkung.

Offene Fragen

Ob jeder Mensch mit leicht erhöhtem hs-CRP von einer entzündungshemmenden Therapie profitiert, ist nicht abschließend geklärt. Niedrig dosiertes Colchicin ist bei bestehender koronarer Herzkrankheit eine Option, in der reinen Vorsorge bei Gesunden aber nicht etabliert. Außerdem ist hs-CRP unspezifisch: Der Marker meldet, dass irgendwo eine Entzündung läuft, nicht wo. Fettleber, eine Zahnfleischentzündung oder eine noch nicht diagnostizierte Autoimmunerkrankung können hinter erhöhten Werten stecken.

Wann messen

Alle 12 Monate im Rahmen eines Longevity-Blutbilds. Zwei Messungen im Abstand von zwei Wochen mitteln, besonders wenn die erste Messung über 2 mg/L lag.

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Zitierte Studien

Primärquellen

Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.