HOMA-IR (Insulinresistenz)
Berechneter Index aus Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Glukose. Erfasst Insulinresistenz vor Anstieg von Blutzuckerwerten.
## Was HOMA-IR ist Insulin ist der Schlüssel, mit dem Zucker aus dem Blut in die Körperzellen kommt. Wenn die Zellen diesen Schlüssel nicht mehr richtig erkennen, muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr Schlüssel herstellen, damit der Zucker trotzdem ankommt. Diesen Zustand nennt man _Insulinresistenz_, und genau den misst der HOMA-IR. HOMA-IR steht für _Homeostatic Model Assessment of Insulin Resistance_, ein kleines Rechenmodell, das der britische Stoffwechselforscher David Matthews 1985 in der Fachzeitschrift Diabetologia vorgestellt hat. Benötigt werden zwei nüchterne Laborwerte: HOMA-IR = (Nüchtern-Insulin in µU/ml × Nüchtern-Zucker in mg/dL) / 405 Mit mmol/L für den Zucker ist der Nenner 22,5. Je höher der Wert, desto mehr Insulin muss der Körper aufwenden, um den Blutzucker zu halten. Einfach gesagt: HOMA-IR zeigt, wie hart Ihre Bauchspeicheldrüse arbeiten muss. ## Warum HOMA-IR für Longevity zählt Insulinresistenz ist der unsichtbare Motor hinter Typ-2-Diabetes, Fettleber, Bauchfett und sogar vielen Prozessen in alternden Nervenzellen. Der entscheidende Punkt: HOMA-IR steigt oft Jahre, bevor HbA1c oder der Nüchternzucker überhaupt auffällig werden. Das liegt an einer stillen Kompensation. Die Bauchspeicheldrüse fährt die Insulinproduktion hoch und hält den Blutzucker dadurch künstlich im Normbereich. Nach außen wirkt alles in Ordnung, die Standarduntersuchung zeigt nichts, obwohl metabolisch längst Alarm ist. Erst wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr mithält, kippen die Werte. Oft zu spät, um den Schaden ohne Medikamente rückgängig zu machen. Genau deshalb ist HOMA-IR einer der frühesten sinnvollen Alarmmarker in der Longevity-Blutanalyse. ## Wie HOMA-IR gemessen wird Beide Werte, Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Zucker, werden aus einer morgendlichen Blutabnahme nach zehn bis zwölf Stunden Nahrungspause bestimmt. Der Nüchtern-Zucker ist meist Kassenleistung. Das Nüchtern-Insulin ist fast immer eine Selbstzahlerleistung (_IGeL_) und kostet je nach Labor 15 bis 25 Euro. Viele Longevity-Panels enthalten ihn bereits. Orientierungswerte: - Unter 1,0: optimal (hohe Insulinsensitivität) - 1,0 bis 1,9: gut - 2,0 bis 2,4: leichte Insulinresistenz - 2,5 bis 5,0: deutliche Insulinresistenz - Über 5,0: starke Insulinresistenz ## Einschränkungen HOMA-IR ist ein Ersatzmaß, kein Goldstandard. Der wahre Goldstandard ist der _hyperinsulinämisch-euglykämische Clamp_, ein aufwendiges Forschungsverfahren, bei dem über Stunden gezielt Insulin und Zucker infundiert werden. Für den Alltag unbrauchbar. Vergleichsstudien zeigen aber, dass HOMA-IR mit den Clamp-Ergebnissen gut übereinstimmt, zumindest auf Gruppenebene. Die zweite Einschränkung ist technisch: Insulinmessungen sind nicht überall gleich standardisiert. Zwei Labore können leicht unterschiedliche Werte liefern. Für Verlaufskontrollen lohnt es sich, immer beim selben Labor zu bleiben. ## Was HOMA-IR senkt Der stärkste akute Hebel ist Krafttraining. Eine einzige intensive Einheit verbessert die Insulinempfindlichkeit der Muskeln für 24 bis 48 Stunden. Über Monate gesehen senkt vor allem der Abbau von Bauchfett (_viszerales Fett_) den Wert deutlich, ebenso Ausdauertraining, weniger schnelle Kohlenhydrate und besserer Schlaf. Medikamentös gilt _Metformin_ als solider Senker, bleibt aber eine ärztliche Entscheidung. ## Wann messen Einmal jährlich als Teil der Longevity-Blutanalyse. Wenn HbA1c oder Nüchternzucker grenzwertig sind, ist HOMA-IR der logische nächste Schritt, um die Störung vor dem Diabetes sichtbar zu machen.
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Weitere Begriffe aus „Stoffwechsel"
HbA1c (glykiertes Hämoglobin)
Solide EvidenzLangzeitwert des Blutzuckers über 8 bis 12 Wochen. Auch unterhalb der Diabetesschwelle ein kontinuierlicher Mortalitätsgradient.
Nüchternglukose
Solide EvidenzBlutzucker am Morgen nach 8 Stunden Nahrungskarenz. Erster Screening-Marker für gestörten Glukosestoffwechsel.
Primärquellen
Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.
